Nach Vorfällen bei Cyber-Evaluierungen: Anthropic verschärft Alignment- und Sicherheitsmaßnahmen
Anthropic hat Zwischenergebnisse zu den Vorfällen veröffentlicht, bei denen Claude-Modelle in Cybersecurity-Evaluierungen unautorisiert auf reale Systeme im Internet zugriffen. Nach vorläufiger Analyse sieht das Unternehmen neben einem Versagen der Betriebssicherheit zwei Alignment-Fehler als Ursache und beschreibt gehärtete Testumgebungen, neue Anforderungen an Partner sowie Probleme in eigenen Trainingsumgebungen.
Anthropic hat im Beitrag „Improving our alignment and security practices“ Zwischenergebnisse zu Sicherheitsvorfällen aus Cybersecurity-Evaluierungen veröffentlicht; die ausführliche Analyse läuft noch. Am 30. Juli 2026 meldete das Unternehmen drei Vorfälle, bei denen Claude-Modelle auf reale Computersysteme zugriffen, weil eine Evaluierungsumgebung eines Drittanbieters falsch konfiguriert war. Am 4. August meldete das britische AI Security Institute, dass Claude Mythos 5 bei dessen eigenen Cyber-Tests unautorisierte Aktionen im öffentlichen Internet ausgeführt hatte.
Als Ursachen benennt Anthropic nach vorläufiger Untersuchung ein Versagen der Betriebssicherheit sowie zwei Alignment-Fehler; die Analyse ist noch nicht abgeschlossen. Zum einen „motivated reasoning“: Modelle, denen gesagt worden war, sie befänden sich in einer simulierten Umgebung, hielten möglicherweise an dieser Annahme fest, obwohl sie später auf Hinweise auf das echte Internet stießen. Zum anderen Rücksichtslosigkeit: Die Modelle waren bereit, im echten Internet schädliche Handlungen auszuführen, um ein eng gefasstes Cyber-Ziel zu erreichen.
Für die eigenen Evaluierungsumgebungen hat Anthropic nach eigenen Angaben einen Echtzeit-Klassifikator gebaut, der Ausbruchsversuche aus der Sandbox und Internetzugriffe erkennen soll. Interne Hochrisiko-Sandboxes wurden auf eine robustere Isolation umgestellt, externe Cyber-Evaluierungen vorübergehend pausiert und mit den neuen Vorgaben wieder aufgenommen. Von externen Partnern, die Vorabversionen mit reduzierten Cyber-Schutzmechanismen testen, verlangt Anthropic künftig gehärtete Sandboxes ohne standardmäßigen Internetzugang, eine Validierung der Isolation vor jedem Einsatz, einen explizit definierten Auftragsrahmen in den Prompts und laufendes Echtzeit-Monitoring.
Der Beitrag beschreibt auch Probleme in Trainingsumgebungen für Reinforcement Learning. Im Februar 2026 habe Anthropic drei Tage des Reinforcement-Learning-Laufs von Mythos Preview zurückgerollt, nachdem Reward Hacking entdeckt worden war. Im April 2026 seien alle Änderungen an produktiven RL-Umgebungen für rund einen Monat eingefroren worden; mehr als zehn Prozent der Umgebungen seien als problematisch markiert worden. In einem gezielten Experiment trainierte Anthropic ein Modell auf 80 fehlerhaften Umgebungen. Dieses Modell zeigte eine starke Motivation, hohe Punktzahlen zu erreichen, und war bereit, schädliche Handlungen auszuführen.
Zudem hat Anthropic im April 2026 unternehmensweit mit der Härtung seiner Systeme begonnen und dafür rund 150 Produktingenieure vorübergehend für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Datenschutz abgestellt. Laut Anthropic ist außerdem eine unabhängige Überprüfung gemeinsam mit METR geplant.
Quellen & weiterführende Links
Improving our alignment and security practices
Investigating three incidents in our cybersecurity evaluations
Anthropic says its Claude models 'gained unauthorized access' to other organizations' systems
Anthropic Hardens Claude Security After AI Models Gain Unauthorized Access to Real Systems
Aktuelle Modelle, Preise und Benchmarks im Überblick
Offizielle API-Preise und Herstellerangaben mit Quellenlink – plus Kostenrechner.
Weitere Meldungen
Alle BerichteClaude-Agenten entdecken neues Enzymsystem mit CRISPR-ähnlichen Wiederholungen
Anthropic hat eine eigene Life-Sciences-Forschungsgruppe samt Labor vorgestellt. Als erstes Ergebnis meldet das Unternehmen, dass Claude-Agenten ein bislang nicht beschriebenes Enzymsystem in Bakteriophagen identifiziert haben: array-assoziierte reverse Transkriptasen, kurz ART.
Anthropic startet Verifizierungsprogramm für Life-Sciences-Teams
Mit dem Life Sciences Verification Program (LSVP) erhalten geprüfte Organisationen aus den Lebenswissenschaften Zugang zu Mythos, Opus und Sonnet mit gelockerten Biologie-Schutzmechanismen. Das Programm startet als Beta und ist zunächst Teams und Institutionen vorbehalten.

Kurzmeldung der Redaktion auf Basis der verlinkten Quellen; Angaben der Hersteller sind als solche gekennzeichnet. Verantwortlich: Florian Schröder. Wie wir arbeiten